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Unterwegs

von Andrea Bátorová

Die multimediale Installation „Der Auftrag“ von Oana Vainer besteht aus einem Holzgestell das an ein geöffnetes Buch erinnert, in dem man blättern könnte. Auf den einzelnen Seiten hängen Holzdrücke. Andere werden zu Projektionsflächen.

Das Gestell steht im Raum und sieht beweglich aus, als ob man die Panele hin und her bewegen könnte, so wie die Erinnerungen an etwas nach einer längeren Zeit im Kopf ineinander verschmelzen und keine richtige Abfolge einhalten. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als ob das faltbare Gestell wie eine Ziehharmonika auseinanderziehbar ist, so dass dann eine zusammenhängende Fläche entsteht. Das Objekt ist allerdings nicht beweglich. Es ist eine starre Konstruktion, welche im Gegensatz zur Struktur des Gedächtnisses nicht veränderbar ist.

Auch das Hauptsujet des Videos zeigt eine Bildprojektion, indem die einzelnen Bilder als Stills präsentiert werden. Der Eindruck der Diaprojektion wird verstärkt durch den Tonspur, welche den charakteristischen Klang beim Projizieren des Dias wiedergibt. Das Verstörende ist, das der Rhythmus von diesem Klang im Vergleich zur Taktung der Aufnahmen schneller ist. Der schnelle rhythmische Klang steht somit im Kontrast zu dem ruhigen Verlauf des Aufnahmen. Ebenso stellt er einen Gegensatz zu den stillen, fast meditativen Naturaufnahmen dar. Die Technik scheint hier die unberührte Schönheit der Natur zu stören.

Die Motive zeigen Details von sommerlichen Blumen, Blütenzweigen und Pilzen und Landschaftsaufnahmen wie ein verschneites Bergpanorama, Nahaufnahmen von Wasserfällen und Flüssen. Menschen sind nur auf einer Aufnahme zu sehen und nur im Blick aus der Ferne. Da die Aufnahmen offensichtlich aus einer früheren Zeit stammen stellt sich die Frage nach dem Ursprung der Dias und wieso diese von der Künstlerin auf diese Art und Weise reflektiert werden. In welche Beziehung steht die Künstlerin zu dem Archivmaterialien? In welchem Bezug steht sie zu den Personen, welche die Bilder hinterlassen haben?

Ein Hinweis könnte und die früheren Arbeiten: The white spot I und II von Vainer liefern.

Die Diaprojektion in der Installation „Der Auftrag“ zeigt eine Reihe von Aufnahmen von linearen Zeichnungen welche als Legende für das Video gelesen werden sollen. Zu sehen sind weiterhin Kartographien, die den Aufenthalt der Künstlerin an den Entstehungsorten der Dias zeigen.

Der Titel der Arbeit „Der Auftrag“ wirft weitere Fragen auf. Wer erteilt den Auftrag und wem? Und wie lautet dieser? In der Projektion lesbar sind einzelne Worte, die eine Erklärung bieten könnten.


Text erschienen in dem Katalog der Ausstellung Ways im Kunstzentrum Karlskaserne, Ludwigsburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© OANA P. VAINER 2017