Through your eyes I can see

von Nicolas Zupfer

Ein altes Schwarzweißfoto, aufgenommen in einem unbekannten Hafen, zeigt zwei Kinder (ein Mädchen und einen Jungen), die mit dem Rücken zur Kamera ein vorbeifahrendes Frachtschiff beobachten. Daneben hängt ein Blatt mit technischen Zeichnungen und Bemaßungen eines Bootes, es scheint sich um eine Bauanleitung zu handeln. Im Raum steht ein zur Hälfte fertiggestelltes Holzboot. Ein Beamer wirft den Videomitschnitt eines Skypegespräches an die Wand. Zu hören ist eine Frauenstimme, die sich in rumänischer Sprache mit einem Mann unterhält, die Kamera umkreist die fehlende zweite Bootshälfte. Es handelt sich um eine Arbeitsbesprechung: Immer wieder werden unterschiedliche Teile des offensichtlich noch unfertigen Bootes fokussiert.

In ihrer Arbeit "Through your eyes I can see" zeigt Oana Paula Vainer Elemente eines Arbeitsprozesses, in dem die aus Bukarest stammende, aber in Stuttgart lebende Künstlerin gemeinsam mit ihrem Bruder versucht, nach einer mitausgestellten Bauanleitung ein Holzboot zu bauen. Anlass ist der in Kindheitstagen gefasste Plan der Geschwister, im Erwachsenenalter gemeinsam ein Schiff zu besitzen, was durch die Auswanderung der Künsterin nach Deutschland noch mehr zu einer Chiffre für die persönliche Beziehung der beiden wurde. Durch die räumliche Trennung gänzlich disfunktional, stehen die beiden Bootsrumpfe nicht nur für eine geschwisterliche Gemeinschaftsarbeit, sondern thematisieren vielmehr Fragen danach, welche Rolle Familienbande in einer Arbeitswelt spielen, die Migrationsbewegungen ermöglicht und gleichzeitig auch erfordert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© OANA P. VAINER 2016